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Anti-MCV-Antikörper - ein neuer und vielversprechender Marker für die rheumatoide Arthritis
(PDF-Datei) Einleitung Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische, systemische Autoimmunerkrankung, von der etwa 1% der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen betroffen ist. Die RA ist charakterisiert durch eine symmetrische, erodierende Gelenksynovitis. Daneben können zahlreiche andere Organe wie Herz, Gefäße, Lunge u. a. betroffen sein, die den systemischen Charakter der Erkrankung verdeutlichen. In der Therapie der RA hat in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Während früher eher eine abwartende Haltung in der Therapieeinleitung zu beobachten war, kann heute der Prozess der Gelenkzerstörung durch eine frühe und aggressive Therapie verzögert oder sogar gestoppt werden („hit hard and early“). Deshalb haben neue Marker, die eine frühe und möglichst sichere Diagnose der RA ermöglichen, in den letzten Jahren eine besondere Bedeutung erlangt. In der Diagnostik-Info 227 und 224 hatten wir bereits die Bedeutung der Bestimmung von Autoantikörpern gegen zyklisches („cyclic“) citrulliniertes Peptid (CCP-Antikörper) und Rheumafaktoren dargestellt. Im Folgenden möchten wir Sie über einen relativ neuen Parameter informieren. MCV-Antikörper Unter dem Oberbegriff der Anti-citrullinierten Protein/Peptid-Antikörper (ACPA) werden alle Autoantikörper, die gegen citrullinierte Epitope von Proteinen oder synthetischen Peptiden gerichtet sind, zusammengefasst. Die Citrullinierung ist eine posttranslationale Modifikation von Proteinen durch katalytische Umwandlung der Aminosäure Arginin in Citrullin. Sie stellt einen physiologischen Prozess dar und dient u. a. der Umwandlung von Fillagrin in der Differenzierung von Keratinozyten oder der Umwandlung von Vimentin während der Apoptose. Als citrullinierte Antigene wurden Fibrinogen, Vimentin und alpha-Enolase identifiziert. In der Synovialflüssigkeit konnten citrulliniertes Vimentin und Fibrinogen identifiziert werden. Die ersten ACPA wurden ursprünglich mit der Immunfluoreszenztechnik (IFT) nachgewiesen und wurden als antiperinukleäre Faktoren bzw. Anti-Keratin-Antikörper bezeichnet. Diese galten ebenso wie die später beschriebenen und nach dem Indexnamen Savoie bezeichneten Sa-Antikörper, die gegen citrulliniertes Vimentin gerichtet sind, als spezifische Marker einer RA mit einer vergleichsweise geringen Sensitivität. In neueren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass das Vimentin als Zielstruktur der Sa-Antikörper nicht nur durch die Citrullinisierung, sondern auch durch Mutation in seinen Eigenschaften beeinflusst wird. Als Konsequenz wurde ein Assay zum Nachweis von Antikörpern gegen mutiertes citrulliniertes Vimentin (MCV-Antikörpern) entwickelt und auf den Markt gebracht. MCV-Antikörper haben eine ähnliche diagnostische Bedeutung wie die CCP-Antikörper der zweiten und dritten Generation, erweitern jedoch das diagnostische Spektrum. So besitzen MCV-Antikörper gegenüber den CCP-Antikörpern bei gleicher Spezifität (95% versus 96%) eine höhere Sensitivität insbesondere bei einer frühen RA (71% versus 58%). Besonders bedeutsam erscheinen jedoch die Studien skandinavischer Arbeitsgruppen, die eine signifikante Korrelation der Anti-MCV-Antikörpertiter und dem Schweregrad der RA sowie der Krankheitsaktivität (DAS28 – disease activity score) zeigen konnten. Des Weiteren waren die Anti-MCV-Antikörper-positiven Patienten im Gegensatz zu den CCP-Antikörper-positiven Patienten durch eine geringere Reduktion der Krankheitsaktivität (DAS28) und mehr geschwollene Gelenke charakterisiert. In einer weiteren Follow-up-Studie konnte gezeigt werden, dass Patienten mit einer aktiven RA signifikant höhere Anti- MCV-Antikörpertiter aufwiesen, als Patienten mit einer milden RA. Hingegen waren die Anti-CCP-Antikörper in beiden Gruppen nahezu identisch. Nicht zuletzt aufgrund der höheren Sensitivität, aber auch der Erfassung unterschiedlicher Autoantigene sind nicht in allen Fällen MCV-Antikörper und CCP-Antikörper gleichzeitig nachweisbar. MCV-Antikörper-positive und CCP-Antikörper-negative Patienten zeigen einen aggressiveren Verlauf als jene, bei denen beide Autoantikörper negativ sind. Zusammenfassend lässt sich feststellen: • MCV-Antikörper korrelieren nach den bisherigen Studien besser als die CCP- Antikörper mit der Krankheitsaktivität • MCV-Antikörper stellen offenbar einen besseren Prognosemarker für einen gelenkdestruierenden Verlauf bei der (frühen) RA dar. Somit sollten die MCV-Antikörper bei dringendem klinischen Verdacht auf eine RA und negativen Rheumafaktoren sowie CCP-Antikörpern sowie zur Einschätzung der Krankheitsaktivität sowie des Outcomes der Patienten bestimmt werden. Untersuchungsmaterial Serum (2 ml) oder Vollblut Abrechnung Die Abrechnung im kassenärztlichen und privatärztlichen Bereich ist gegeben. Bei RA unter immunsuppressiver oder immunmodulierender Langzeit-Basistherapie sind die Laborleistungen nach Abschnitt 32.2 budgetbefreit nach Ziffer 32023. Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung: Dr. rer. nat. Brit Kieselbach unter (030) 77001-130 Dr. W. Schößler
(Diagnostik-Info 252, Stand: Januar 2011)Dr. B. Kieselbach Schnellzugriff Kontakt Impressum |





